Ich lebe in München und arbeite freiberuflich als Trainerin, Speakerin und
Expertin für sexualisierte Gewalt, K.O.‑Tropfen und Konsens. Der Ursprung
dieser Arbeit war ein sehr schlimmes Erlebnis im Frühjahr 2013: Ich wurde unter
dem Einfluss von K.O.‑Tropfen vergewaltigt. Der eigentliche Alptraum begann für
mich aber danach, und zwar bei Polizei und Justiz, die mir nicht glaubten: Die
Polizei erklärte mir, K.O.‑Tropfen gebe es gar nicht wirklich, das sei nur ein
Medienphänomen. Und obwohl der mutmaßliche Täter fünf Jahre nach der
Tat aufgrund der DNA‑Spuren gefunden wurde, wurde das Verfahren
eingestellt.
Kein tragisches Einzelschicksal, sondern leider die Norm
Ich hätte damit abschließen können. Stattdessen habe ich für Gerechtigkeit
gekämpft: mit einer Online-Petition, die über 100.000 Menschen unterschrieben
haben, und weiter bis vor das Bundesverfassungsgericht und den Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte. Denn mein Fall ist kein tragisches
Einzelschicksal, sondern leider die Norm: Nur ein winziger Bruchteil
aller Vergewaltigungen führt überhaupt zu einer Verurteilung.
Seit 2016 spreche ich öffentlich im Fernsehen, in Zeitungen, im Radio und in
Podcasts über sexualisierte Gewalt und K.O.‑Tropfen. Ich bin Mitautorin des
Buches „Unsichtbar – Wir zeigen Gesicht“ und habe schon Gastbeiträge, unter
anderem für Brigitte Online, geschrieben.
Aufklärung, Prävention, Öffentlichkeitsarbeit
Ende 2020 habe ich den gemeinnützigen Verein „Kein Opfer e.V.“ ins Leben
gerufen, dessen Vorstandsvorsitzende ich seitdem bin. Unser Verein macht
Aufklärungs-, Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit zu den Themen
sexualisierte Gewalt, K.O.‑Tropfen und Konsens. Neben Schulprojekten
organisieren wir jedes Jahr ein Community-Wochenende für Betroffene von
sexualisierter Gewalt. Angetrieben hat mich der Wunsch, etwas zu
schaffen, das anderen Betroffenen hilft und verhindern kann, dass Menschen zu
Betroffenen oder Täter*innen werden.
Meine Stimme nutze ich auch gesellschaftspolitisch. 2022 war ich als
Sachverständige zu einem Fachgespräch im Deutschen Bundestag eingeladen. Dort
habe ich deutlich gemacht, dass der Grundsatz „Nur Ja heißt Ja“ ins
Sexualstrafrecht gehört. 2023 war ich außerdem als Expertin zum Thema
K.O.‑Tropfen im Gesundheitsausschuss des Bundestags. Auf meine
Initiative hin gibt es seit 2026 den ersten
bundesweiten K.O.‑Tropfen-Awareness-Tag am 23. März.
2023 wurde ich mit der „Goldene Bild der Frau“ ausgezeichnet.
Als freiberufliche Trainerin trage ich diese Themen in Unternehmen und Organisationen.
Dort gebe ich Trainings zu Prävention sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz und Konsens.
Workshops für Lehrkräfte an Schulen liegen mir besonders am Herzen,
denn Lehrkräfte sind täglich mit den Schüler*innen in Kontakt und können als
Multiplikator*innen fungieren.
Für M. – und eine sicherere Zukunft
Mit der Geburt meiner Tochter ist noch einmal eine ganz neue Motivation
dazugekommen: Aktuell entsteht die Wanderausstellung „Für M.“, die ich
initiiert habe und kuratiere. Sie ist ihr gewidmet und getragen von dem Wunsch,
dass unsere Kinder in einer sichereren Welt aufwachsen. Mein Ziel ist
eine Gesellschaft, die hinsieht und hinhört – geprägt von Konsenskultur,
Zivilcourage und Zusammenhalt.